Ein tragisches Schicksal

Ein kleines Mädchen – wenn niemand zuhause ist, hat es Angst ins Haus zu gehen. Es fühlt sich im Zuhause nicht sicher. Ein so großes Haus und ein so kleines Kind. Es fühlt sich alleine. Doch es will nicht alleine sein. Es hat Alpträume in der Nacht, kann oft erst spät einschlafen und wacht kurze Zeit später wieder auf. Das geht in der Volkschule los und zieht sich bis ins Erwachsenenalter. Doch mit den Jahren wird es schlimmer. Ein Schicksalsschlag holt den nächsten.

Mit 16 Jahren stirbt der Vater an Krebs. Die Mutter ist erledigt, sie ist von Haus aus eine sehr sensible Person. Doch sie hätte jetzt die Aufgabe für ihre Kinder da zu sein. Sie müsste jetzt vor ihnen Stärke zeigen und sie aus der Misere führen. Doch die Kinder sehen das die Mutter zerbricht und übernehmen ihre Rolle. Das nun schon fast zur Frau gewordene 16-jährige Mädchen, ruft alle Freunde und Bekannten an, um ihnen die traurige Nachricht zu überbringen. Keine leichte Aufgabe für ein junges Mädchen das gerade ihren Vater verloren hat.

Anstatt selbst zu trauern, hilft sie den Anderen mit ihrer Trauer. Sie nimmt ihnen den Schmerz und lädt ihn auf ihre Schultern. Sie unterdrückt ihre Gefühle um für ihre Familie eine Stütze zu sein.

Doch der Mutter ist dies zu wenig. Sie will nicht mehr Leben. Sie hat die Liebe ihres Lebens verloren und will alleine nicht weitergehen. Sie fährt in die Stadt zu einer Brücke und will sich das Leben nehmen. Sie hat in diesem Moment nur sich selbst im Kopf. Gedanken an ihre Kinder haben zu diesem Zeitpunkt keinen Platz in ihrem Kopf. Sie sieht schwarz und sie springt in den Fluss.

Doch sie stirbt nicht, der Fluss gibt sie frei und sie schwimmt ans Ufer, lässt zuhause anrufen und sich von den Kindern abholen. Die Kinder bringen sie ins Krankenhaus, wo sie nun behandelt wird.

Doch wo ist Hilfe für die Kinder Kinder scheinen stark zu sein. Doch es ist nicht mehr als wie Verdrängung und irgendwann kommt alles wieder hoch. Die Mutter bekommt Hilfe, den Kindern aber wird keine Hilfe angeboten. Natürlich hätten sie Hilfe bekommen wenn sie gefragt hätten, doch welches Kind schreit selbst nach Hilfe, vor allem wenn es gewohnt ist stark zu sein.

Haben die Kinder keine Freunde? Freunde können in dieser Zeit zwar eine kleine Stütze sein, aber sie können unmöglich das Elternhaus ersetzen. Sie sind im selben Alter und somit auch mit genug eigenen Problemen beschäftigt. Das 16-järige Mädchen erzählt zwar im Vertrauen den Freundinnen in Kurzform ihre Geschichte, doch diese wissen nicht wirklich wie sie ihr helfen können. Mehr als Umarmen und in dieser Zeit den Kontakt zu intensivieren steht nicht in ihrer Macht.

Nach einiger Zeit darf die Mutter wieder nachhause. Sie muss jetzt Anti-depressiva nehmen. Anfangs ist sie ruhig und zahm, bis sie auf einmal die Tabletten nicht mehr nimmt. Sie geht auf den Dachboden und will sich erhängen. Doch der Sohn kommt noch rechtzeitig nachhause und merkt sofort dass etwas nicht stimmt und kommt noch rechtzeitig. Wieder bringen sie die Mutter ins Krankenhaus. Wieder schreien zwar ihre Gesichter nach Hilfe, aber ihre Münder sagen nichts. Auch von den Ärzten kommt keine Hilfe. Die Mutter muss nun eine längere Psycho-Therapie machen und pendelt immer wieder zwischen Krankenhaus und Zuhause hin und her. Sie bekommt starke Tabletten und versucht ihr Leben wieder in den Griff zubekommen. Aber das Leben der Kinder hat sie zerstört.

Das Mädchen flüchtet in eine Großstadt, lernt einen Jungen kennen und wirft sich mit ihrer ganzen Last auf ihn. Sieben lange Jahre macht er alle ihre Depressionen mit und trägt die Last auf seinen Schultern, doch dann flüchtet er in die Arme einer anderen Frau und für sie bricht wieder eine Welt zusammen. Jetzt wirklich, denn jetzt ist ihr letzter Halt weg. Sie merkt dass sie Probleme hat, sie gesteht sich ihre Probleme nun ein und jetzt schreit sie um Hilfe. Ihre Freundinnen schicken sie zur Therapie. Die Therapeutin beschließt schon nach der zweiten Sitzung sie zu einem Psychiater zu bringen um ihr Antidepressiva verschreiben zu lassen. Sie nimmt bereitwillig alles an. Die Ärzte werden es sicher am Besten wissen.

Hier stelle ich als Autor nun die Frage: Ist das wirklich nötig? Kann man nach der dritten Sitzung schon wissen ob es wirklich keinen anderen Weg gibt? Sollten Tabletten nicht der letzte Ausweg sein?

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